Jemgum braucht mehr Krippenplätze

Schon im Januar 2018 hat Jemgum 21 einen Antrag zum Ausbau der Plätze für die Frühkindliche Betreuung und Bildung gestellt. Inzwischen sind alle dafür. Und endlich wurde nun auch ein möglicher Standort gefunden: Das neue Gebäude für eine Kinderkrippe könnte an der Deichstraße in Jemgum gegenüber der Carl-Goerdeler Schule entstehen. Diesen Standort halten wir für gut geeignet.

Der Kindergarten-Ausschuss hatte im Februar 2020 mit der Mehrheit von SPD/FDP und gegen die Stimmen von Jemgum 21 und CDU einen neuen Krippenbau am Sportplatz in Jemgum befürwortet. Doch die Anwohner der ohnehin stark befahrenen Straße „Am Sportzentrum“ protestierten deutlich dagegen.

In der Sitzung des Verkehrsauschusses am 10. März 2020 wurde dann einstimmig ein Antrag der Fraktion Jemgum 21 angenommen, die Suche nach einem geeigneten Standort wieder zu öffnen. Es waren dann mehrere mögliche Grundstücke in Jemgum im Gespräch, Favorit ist nun das Gelände an der Deichstraße.

Vorgeschichte

In der Gemeinde Jemgum fehlen Krippenplätze. Das ist seit langem bekannt. Schon Anfang 2018 legten wir von Jemgum 21 deshalb einen Antrag vor, neben der Gruppe in Midlum noch zwei zusätzliche Krippengruppen in Jemgum zu schaffen.

Die SPD zögerte zunächst und zweifelte den Bedarf an („Es gibt keine Warteliste!“). Als die Warteliste 2019 zu lang wurde, beschloss der Rat immerhin, das Schützenhaus umzubauen und dort eine Gruppe einzurichten. Doch das reicht immer noch nicht. Dann schlug der Bürgermeister vor, einen Neubau eines Kindergartenzentrums durch das Deutsche Rote Kreuz zu realisieren. Der SPD Ortsverein Jemgum sprach sich dafür aus. Wir von Jemgum 21 protestierten aber vehement. Unseres Erachtens sollte der inzwischen 50jährige Kindergartenverein weiterhin Betreiber der Einrichtungen in der Gemeinde bleiben.

Dies führte zu neuen Gesprächen zwischen Verwaltung, Mehrheitsgruppe und Kindergartenverein. Im Februar 2020 wurde dann plötzlich eine ganz neue Lösung vorgeschlagen: der Bau einer neuen Kinderkrippe mit vier Gruppen am Sportplatz in Jemgum und die Auflösung der Krippengruppe in Midlum.

Der Vorschlag von SPD/FDP, der am 20.02.2020 mit 3:2 im Kindergarten-Ausschuss befürwortet wurde, fand unsere Zustimmung nicht.

1. Ein Neubau in der vorgeschlagenen Größenordnung ist sicherlich attraktiv, aber  teuer (erste Schätzungen: 800.000 – 900.000 Euro, d.h. neue Schulden). Eine Lösung für den tatsächlichen Bedarf wäre wesentlich günstiger zu haben, wenn zum Beispiel die Krippengruppen in Midlum und im Schützenhaus bestehen blieben und dort ein Anbau für eine weitere Gruppe realisiert würde. Am Ende zahlen die Eltern den Neubau durch höhere Gebühren oder höhere Steuern. Unseres Erachtens sollte es zunächst ein Gesamtkonzept für die künftige Kinderbetreuung geben, bevor Baumaßnahmen beschlossen werden.

2. Ein Drittel der Kinder der Gemeinde im Alter von 0 bis 3 Jahren leben in den Ortschaften zwischen Midlum und Pogum. Es ist nicht familienfreundlich, dass man den jungen Eltern aus diesen Ortschaften zumuten will, zum Beispiel von Ditzum nach Jemgum zu fahren, um ihre Kids dort in die Betreuung zu geben.

3. Der Standort am Sportplatz ist für den Neubau einer Krippe für vier Gruppen ungeeignet. Vier Gruppen, das bedeutet: 60 Kinder und über 10 Mitarbeitende – und damit verbunden ein erheblicher tagtäglicher Verkehr für die Anwohner in der Straße „Am Sportzentrum“. Die haben ohnehin schon sehr viel Verkehr vor der Haustür (durch Sportbetrieb, Feste im Sportlerheim, Besucher Hundeplatz usw.). Eine wesentliche Ausweitung dieses Verkehrs ist für die Anwohner nicht akzeptabel. Der Protest der Anwohner wurde dann auch aufgenommen (siehe oben).

Gesamtkonzept nötig

Eine wichtige und noch offene Frage ist es, wie groß eine neue Kindertagesstätte sein muss. Die Fraktion Jemgum 21 schlägt vor, für die Betreuung von Kleinkindern unter drei Jahren ein Gesamtkonzept zu entwickeln, das zum Beispiel folgende  Elemente beinhalten könnte:

  1. Plätze in einer neuen Kinderkrippe in Jemgum (vor allem für Kinder aus den Ortschaften Jemgum, Holtgaste/Soltborg, Böhmerwold/Marienchor)

  2. Plätze in einer alterübergreifenden Gruppe im Kindergarten Midlum (für Kinder aus Midlum und Critzum) sowie

  3. Plätze in einer neu einzurichtenden Kindertagespflege in Ditzum (für Kinder aus dem Einzugsbereich der Grundschule Ditzum).

Hier gibt’s mehr Hintergrund zur Debatte seit 2017.

 

Die Betreuungssituation in der Gemeinde Jemgum – Vergleichsdaten

In der Gemeinde Jemgum werden gegenwärtig deutlich weniger U3-Kinder in Einrichtungen der frühkindlichen Pädagogik gefördert als andernorts.

Die Fakten: Im Landkreis Leer hinkt Jemgum hinterher!

Der Landkreis Leer hat die Gemeinde Jemgum aufgefordert, mehr Krippenplätze zu schaffen. Die Ausbaustufe soll von 21 auf 27 Prozent erhöht werden – so bald wie möglich.

Betreuungsquote in Jemgum: Vergleich mit Bund und Land

Der Bedarf auf Seiten der Eltern liegt deutlich über der Betreuungsquote. So wird davon ausgegangen, dass in Niedersachsen 45-50 Prozent der Eltern einen Bedarf an Kinderbetreuung haben.

Frühkindliche Bildung: Kinder im Landkreis Leer deutlich benachteiligt

Innerhalb des Landkreises Leer liegt Jemgum abgeschlagen hinten. Doch das Bild verschlechtert sich noch, wenn man sieht, dass der Landkreis Leer auch überregional schlecht abschneidet.