Jemgum braucht mehr Krippenplätze

Die Diskussion um einen Standort für eine neue Kinderkrippe geht weiter. Der Kindergarten-Ausschuss hatte im Februar 2020 mit der Mehrheit von SPD/FDP und gegen die Stimmen von Jemgum 21 und CDU einen neuen Krippenbau am Sportplatz in Jemgum befürwortet. Doch die Anwohner der ohnehin stark befahrenen Straße „Am Sportzentrum“ protestierten deutlich dagegen.

In der Sitzung des Verkehrsauschusses am 10. März 2020 wurde dann einstimmig ein Antrag der Fraktion Jemgum 21 angenommen, die Suche nach einem geeigneten Standort wieder zu öffnen. Es sind jetzt mehrere mögliche Grundstücke in Jemgum im Gespräch. Vor- und Nachteile sollen intensiv geprüft werden, bevor es zu einer Entscheidung kommt.

Hintergrund

In der Gemeinde Jemgum fehlen Krippenplätze. Das ist seit langem bekannt. Schon Anfang 2018 legten wir von Jemgum 21 einen Antrag vor, neben der Gruppe in Midlum noch zwei zusätzliche Krippengruppen in Jemgum zu schaffen. Als die Warteliste 2019 zu lang wurde, beschloss der Rat immerhin, das Schützenhaus umzubauen und dort eine Gruppe einzurichten. Doch das reicht immer noch nicht.

Nachdem die SPD erst lange gezögert hatte („Es gibt keine Warteliste!“) und sich dann für einen Neubau eines Kindergartenzentrums durch das Deutsche Rote Kreuz aussprach, wurde jetzt plötzlich eine ganz neue Lösung vorgeschlagen: der Bau einer neuen Kinderkrippe mit vier Gruppen am Sportplatz in Jemgum und die Auflösung der Krippengruppe in Midlum. Und als Übergangslösung wird jetzt hektisch nach einem Raum für eine zusätzliche Gruppe ab Sommer 2020 gesucht.

Der Vorschlag von SPD/FDP, der am 20.02.2020 mit 3:2 im Kindergarten-Ausschuss befürwortet wurde, findet unsere Zustimmung nicht.

1. Ein Neubau in der vorgeschlagenen Größenordnung ist teuer (erste Schätzungen: 800.000 – 900.000 Euro, d.h. neue Schulden). Eine Lösung für den tatsächlichen Bedarf wäre wesentlich günstiger zu haben, wenn zum Beispiel die Krippengruppen in Midlum und im Schützenhaus bestehen blieben und dort ein Anbau für eine weitere Gruppe realisiert würde. Am Ende zahlen die Eltern den Neubau durch höhere Gebühren oder höhere Steuern.

2. Ein Drittel der Kinder der Gemeinde im Alter von 0 bis 3 Jahren leben in den Ortschaften zwischen Midlum und Pogum. Es ist nicht familienfreundlich, dass man den jungen Eltern aus diesen Ortschaften zumuten will, zum Beispiel von Ditzum nach Jemgum zu fahren, um ihre Kids dort in die Betreuung zu geben.

3. Der Standort am Sportplatz ist für den Neubau einer Krippe für vier Gruppen ungeeignet. Vier Gruppen, das bedeutet: 60 Kinder und über 10 Mitarbeitende – und damit verbunden ein erheblicher tagtäglicher Verkehr für die Anwohner in der Straße „Am Sportzentrum“. Die haben ohnehin schon sehr viel Verkehr vor der Haustür (durch Sportbetrieb, Feste im Sportlerheim, Besucher Hundeplatz usw.). Eine wesentliche Ausweitung dieses Verkehrs ist für die Anwohner nicht akzeptabel.

Gesamtkonzept nötig

Eine wichtige und noch offene Frage ist es, wie groß eine neue Kindertagesstätte sein muss. Die Fraktion Jemgum 21 schlägt vor, für die Betreuung von Kleinkindern unter drei Jahren ein Konzept mit drei Elementen zu entwickeln:

  1. Plätze in einer neuen Kinderkrippe in Jemgum (vor allem für Kinder aus den Ortschaften Jemgum, Holtgaste/Soltborg, Böhmerwold/Marienchor)

  2. Plätze in einer alterübergreifenden Gruppe im Kindergarten Midlum (für Kinder aus Midlum und Critzum) sowie

  3. Plätze in einer neu einzurichtenden Kindertagespflege in Ditzum (für Kinder aus dem Einzugsbereich der Grundschule Ditzum).

Hier gibt’s mehr Hintergrund zur Debatte seit 2017.

 

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