Neubau Kindergarten? Augenmaß statt Aktionismus !

Die SPD Jemgum will das Deutsche Rote Kreuz beauftragen, einen neuen Kindergarten zu bauen (siehe Ausschnitt RZ 31.05.2019). Die Entscheidung der SPD ist also schon gefallen, bevor der zuständige Gemeinde-Ausschuss Schule und Kindergarten dieses Thema überhaupt abschließend beraten konnte.

Eine vorzeitige Festlegung auf den Neubau eines Kindergartens in Jemgum durch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) halten wir von der Ratsgruppe Jemgum 21 / Wir für Jemgum für voreilig und falsch. Noch vor wenigen Monaten haben die Sozialdemokraten vehement bestritten, dass es überhaupt Bedarf an neuen Plätzen gibt. Nun soll gleich ein ganz neuer Kindergarten gebaut werden. Da fällt die SPD jetzt auf der anderen Seite vom Pferd.

Aktionismus ist nicht gefragt. Mit der Einrichtung einer Krippengruppe im alten Schützenhaus in Jemgum ist die gegenwärtige Nachfrage voll befriedigt. Das schafft Luft, nach einer guten langfristigen Lösung Ausschau zu halten. Nach dem gegenwärtigen Stand der Informationen lehnen wir einen Neubau durch das DRK ab. Mittelfristig kostet diese Lösung wesentlich mehr als die Anbau-Option. Noch günstiger wäre die dezentrale Option, also: Keine Baumaßnahmen, sondern Beibehaltung des Kindergartens in Midlum und dauerhafte Nutzung des Schützenhauses für eine zusätzliche Krippe.

Die SPD braucht endlich mehr Mut, der Realität ins Auge zu sehen. Laut Haushaltsplan baut die Gemeinde in diesem und im nächsten Jahr Schulden in Millionenhöhe auf. Diese Schulden übersteigen ihre gesamten Jahreseinnahmen. Gleichzeitig gibt es einen Investitionsstau in zweistelliger Millionenhöhe. Unerlässliche Investitionen – zum Beispiel die Umsetzung des Brandschutzbedarfsplans, der Bau einer neuen Kläranlage in Jemgum und die Sanierung des Verwaltungsgebäudes – werden weitere Millionenkredite erfordern. Sich in dieser Situation für ein teures Angebot des DRK zu entscheiden, zeugt von haushaltspolitischem Unverständnis.

Darüber hinaus gibt es überhaupt keinen Grund, den Träger zu wechseln. Der Freundeskreis Kindergarten Niederrheiderland hat seit knapp 50 Jahren hervorragende Arbeit geleistet. Diese gute Zusammenarbeit zum Wohle der Kinder jetzt per Pressemitteilung zu beenden, ist völlig unverständlich. Überall wird danach gerufen, das Ehrenamt zu würdigen, hier werden Ehrenamtliche öffentlich „in die Wüste gejagt“. Das ehrenamtliche Engagement ist eines der wertvollsten Güter der Gemeinde. Statt es öffentlich zu torpedieren, sollte die SPD es lieber wertschätzen und unterstützen.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.