Zukunftsfähige Dörfer

Die Gemeinde Jemgum besteht aus elf Dörfern. Das ländliche Leben ist für uns ein großer Schatz und muss zukunftssicher gestaltet werden. Das dörfliche Leben kann durch eine Vielzahl von Maßnahmen gestärkt werden. Diese werden auch in den anderen Abschnitten unseres Programms vorgestellt. So geht es zum Beispiel darum, das soziale Miteinander zu stärken (siehe Sozialer Zusammenhalt). Oder es geht darum, die Dörfer familienfreundlich zu gestalten (siehe Familienfreundliche Gemeinde).

Hier an dieser Stelle legen wir einige grundsätzliche Überlegungen zur Dorfentwicklung dar (einschließlich Bauleitplanung). Die verschiedenen Bereiche müssen aber zusammengedacht werden. Zentrale Herausforderung für die ländliche Entwicklung ist es, die Strukturen der Dörfer zu erhalten, vor allem die traditionellen Dorfkerne.

Wie wollen wir dieses Ziel erreichen?

Wie in vielen Bereichen gibt es auch hier keine schnellen, einfachen Lösungen. Längerfristige Konzepte sind gefragt. Dazu gehört:

  • Es braucht neuen Wohnraum in und an den Dorfkernen für seniorengerechtes Wohnen. Ältere Paare oder ältere Alleinlebende suchen oft nach altersgerechten kleineren Wohnungen und würden ihre Einfamilienhäuser gerne an junge Familien abgeben – aber es fehlen Alternativen.

  • Die Sanierung alter Häuser in den Dorfkernen ist zu fördern (z.B. durch Zuschüsse für junge Familien zu den Planungskosten).

  • Die Verdichtung von Bebauung durch Teilung von Grundstücken kann helfen. Gerade in den alten Einfamilienhaus-Siedlungen gibt es oft sehr große Grundstücke, auf denen früher Lebensmittel zur Selbstversorgung angebaut wurden. Die Teilung von Grundstücken kann neue Bauplätze schaffen (oder auch Baumöglichkeiten, wenn Familien generationenübergreifend planen wollen).

  • Auch in den kleineren Dörfern wie Midlum und Holtgaste muss es Bauplätze geben. Es genügt nicht, nur neue Bauplätze in Jemgum und Ditzum auszuweisen.

  • Neue Baugebiete müssen sich sinnvoll in die Planung der Dorfentwicklung einpassen. „Flächenfraß“ nach außen lehnen wir ab. Alle Erfahrungen zeigen, dass dies nur die Zersiedelung fördert und die Dorfkerne schwächt.

  • Treffpunkte sind nötig, um wieder „Leben ins Dorf“ zu holen. Die Planung des Bürgerhauses in Jemgum ist ein solches Beispiel. Es kann den Dorfkern beleben und attraktiver machen – auch für mögliche private Kaufinteressenten alter Häuser im Dorfkern.

Was hat Jemgum 21 in diesem Bereich bisher gemacht?

  • Wir haben uns dafür eingesetzt, dass auch in Midlum und Holtgaste Bauplätze eingeplant werden. Im ersten Entwurf des neuen Flächennutzungsplans wollte der Bürgermeister nur noch Baugebiete in Ditzum und Jemgum vorsehen. Das halten wir für falsch. Der aktuelle Entwurf des „F-Plans“ enthält nun auch mögliche Baugebiete in den kleineren Dörfern.

  • Wir sind dafür eingetreten, in der Bauleitplanung nicht nur mal schnell über ein Baugebiet hier oder dort zu diskutieren, sondern die Dorfentwicklung längerfristig zu denken. Das von uns im März 2019 vorgelegte „Eckpunktepapier für die Beratung über Bauleitplanung“ wurde vom zuständigen Ausschuss einstimmig beschlossen: ein guter Anfang für langfristige Planung.

  • Die Planung eines Baugebietes am Toten Weg – jenseits der Menno-Peters-Straße in Jemgum – halten wir für falsch. Wir haben uns gegen dieses Vorhaben ausgesprochen. Nicht zuletzt sind die für das Gebiet kalkulierten Grundstückspreise von über 100 Euro pro Quadratmeter in unseren Augen ein K.O.-Argument für diese Planung. Wir brauchen bezahlbare Wohnmöglichkeiten in der Gemeinde und auch im Dorf Jemgum.

  • Für das alte Ziegeleigelände in Jemgum haben wir im Herbst 2020 Vorschläge gemacht. Hier sollte ein Modell für zukunftsweisendes dörfliches Leben entstehen. Dazu gehören seniorengerechte und auch soziale Wohneinheiten – für ältere Menschen, für Singles, Alleinerziehende, aber auch für ganz junge Familien, vor allem für Menschen aus der Region. In der Deichschutzzone (rund ein Viertel des Geländes) wären neben Spiel-/ Freizeitflächen auch mobile Sommerunterkünfte für Radtouristen denkbar, ggf. auch Flächen für Wohnmobile oder Kurzzeitcamper.

  • Für die Sanierung des Alten Amtshauses, das ein künftiges Bürgerhaus beherbergen soll, haben wir das Konzept maßgeblich mitentwickelt. Die Planung wurde dann im Gemeinderat einstimmig beschlossen. An dem Förderantrag haben wir in starkem Maße mitgewirkt. Er war erfolgreich. Die Gemeinde kann deutlich über eine Million Euro Fördergeld abrufen, um das Amtshaus zu sanieren. Damit wird ein altes, denkmalgeschütztes Haus im Dorfkern von Jemgum saniert. Ein „Schandfleck“ soll verschwinden. Eine attraktive Nutzung ist geplant. In dem dafür gegründeten Trägerverein arbeiten wir intensiv mit. Der Verein hat inzwischen über 70 Mitglieder, die sich auf die Arbeit im Bürgerhaus freuen. Hier entsteht ein Treffpunkt für „Leben im Dorf“.