Bezahlbarer Wohnraum in Jemgum kein Thema?

Landauf, landab wird seit Monaten über ein immer drängenderes soziales Problem diskutiert: Bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware. Darunter leiden vor allem ältere Mitbürger, Alleinerziehende, Menschen mit schlecht bezahlten, prekären Jobs, junge Familien mit nur einem Einkommen. Die Schere zwischen arm und reich geht in Deutschland immer weiter auf – und das spiegelt sich auch auf dem Wohnungsmarkt.

Sozialer Wohnungsbau ist an sich ein klassisches sozialdemokratisches Thema. Doch für die seit Jahren rasant steigenden Mieten hat die SPD bundesweit über Jahre keinen Blick gehabt. In den letzten 20 Jahren war die SPD 15 Jahre lang an der Bundesregierung beteiligt, dazu stellte sie in vielen Bundesländern die Regierungen – doch Impulse für mehr Gerechtigkeit auf dem Wohnungsmarkt blieben Fehlanzeige.

Auch in ländlichen Räumen wird das Problem immer größer. Wenn ein Quadratmeter neues Bauland in Jemgum – so jüngste Kalkulationen – 100 Euro oder mehr kosten würde, dann ist das für viele unbezahlbar. Hinzu kommt, dass sich auch auf dem Land die Lebenslagen deutlich verändert haben.  Die Haushalte werden immer kleiner. Die traditionellen freistehenden Einfamilienhäuser werden noch immer nachgefragt, aber bei weitem nicht von allen Wohnungssuchenden. Ein wachsender Bedarf besteht an bezahlbarem kleineren Wohnraum, zum Beispiel für ältere Menschen, Singles, Alleinerziehende.

Doch auch in Jemgum hat die SPD keinen Blick für dieses Problem. Im Ausschuss Raumplanung lehnte die Mehrheitsgruppe am Donnerstag (13. Juni) einen Antrag ab, sich künftig intensiver mit der Frage nach sozialem und seniorengerechtem Wohnungsbau zu befassen.

Dabei ging es noch gar nicht um große Entscheidungen. Lediglich die Informationslage sollte durch ein Verzeichnis freier und eventuell bebaubarer Flächen in Dorfkernnähe verbessert werden. Viele Kommunen haben so ein „Freiflächen-Kataster“ und nutzen es für die Bauleitplanung und ihre Wohnungspolitik.

Doch die drei Sozialdemokraten im Ausschuss verweigerten sich. Der Antrag – eingebracht von Jemgum 21/Wir für Jemgum – erhielt die Unterstützung der CDU, wurde aber mit den Stimmen der SPD abgelehnt. Alternative Vorschläge der SPD? Fehlanzeige.

Der frühere SPD-Generalsekretär Peter Glotz hat die Sozialdemokraten einst einen „schwer beweglichen Tanker“ genannt: eine Partei, die lange, wohl zu lange braucht, um zu entdecken, dass sich die Gesellschaft verändert.