Ditzum ist „die Lokomotive“, die anderen sitzen im Abteil?

Beim Informationsabend der CDU zum geplanten Parkplatz wurde deutlich, wessen Interessen die CDU im Parkplatz-Konflikt vertritt: die Interessen der Tourismuswirtschaft. Ratsfrau Kerstin Krebs legte dar, wieviel Geld mit Tourismus in der Gemeinde verdient wird. Nach ihren Schätzungen sind das sechs Millionen Euro im Jahr, davon rund zwei Millionen aus dem Tagestourismus. Und Annäus Bruhns, Fraktionsvorsitzender der CDU im Gemeinderat erläuterte dazu seine Sicht der Dinge: Ditzum und die dortige Tourismuswirtschaft, das sei „die Lokomotive“ für wirtschaftliche Entwicklung in der Gemeinde, „die anderen sitzen im Abteil.“ Diese Darstellung ignoriert die Fakten vollständig.

Einige Jahre konnte die Gemeinde über erhebliche Gewerbesteuern verfügen. Das liegt ausschließlich an dem Industriegebiet, das zwischen den Ortschaften Soltborg/Holtgaste und Jemgum entstanden ist. 80 Prozent der Gewerbeeinnahmen der Jahre 2013-2017 kamen aus den Kavernen.

  • Dass der Bau eines großen Feuerwehrhauses mit Dorfgemeinschaftsanlage und Sanitärkomplex in Ditzum überhaupt möglich wird, ist einzig diesen Steuereinnahmen zu verdanken. Während die Menschen in Jemgum und Soltborg das Industriegebiet mit all seinen negativen Folgen noch jahrzehntelang vor der Dorftür haben, ist der Steuergewinn aus diesem Gewerbe überwiegend in Ditzum investiert worden.

  • Mehr noch: Dass die Gemeinde aus ihren Steuereinnahmen in den Jahren 2013-2016 fast 800.000 Euro in den Tourismus investiert hat, vor allem in den Wohnmobilstellplatz in Ditzum, wird völlig verschwiegen.

Und die verbleibenden 20 Prozent der Gewerbesteuer? Alles aus Ditzum? Unsinn! In der ganzen Gemeinde gibt es Unternehmen, Handels- und Handwerksbetriebe, die Jahr für Jahr ihren Beitrag zur Gewerbesteuer leisten. Die CDU ignoriert das komplett.

Wenn tatsächlich SO VIEL Geld mit Tourismus verdient wird, dann stellen sich zwei Fragen:

  • Warum spielgelt sich das nicht in den Gewerbesteuereinnahmen?

  • Und: Warum ist die Tourismuswirtschaft angesichts der Millionen-Einnahmen nicht in der Lage, den für sie geplanten Kundenparkplatz am Ortseingang selber zu finanzieren? Alle Unternehmen in der Gemeinde müssen für ausreichenden Parkraum sorgen. Auch wer ein Haus besitzt muss Stellplätze nachweisen. Warum soll jetzt die Gemeinde den Parkplatz in Ditzum finanzieren?

Diese Fragen, die in der CDU-Veranstaltung gestellt wurde, blieben unbeantwortet.

Mit seiner Bemerkung über „Lokomotive“ und „Abteil“ verschärft Bruhns weiter die Debatte, die als Sachdiskussion über einen Ratsbeschluss begonnen wurde. Der CDU-Fraktionsvorsitzende brachte ein Bürgerbegehren gegen das Bürgerhaus in Jemgum ins Gespräch (ohne Sachgrund zu nennen). Bruhns untersagte den Bürgerinnen und Bürgern aus Midlum, Jemgum und anderen Orten, bei einer CDU-„Bürgerversammlung“ in Ditzum das Wort zu ergreifen. Und nun stellt er die Dörfergemeinschaft so dar, als würde in Ditzum gearbeitet und in den anderen Dörfern aus dem Fenster geguckt.

Damit schadet die CDU der ganzen Gemeinde – inklusive Ditzum! – und treibt genau den Keil in die Dörfergemeinschaft, den keiner haben will.