Abschiebung aus Jemgum: Menschenunwürdige Behandlung!

Wie jetzt bekannt wurde, ist am Mittwochmorgen (27.9.) um 4.30 Uhr eine Flüchtlingsfamilie unangemeldet aus ihrer Unterkunft in Jemgum abgeholt und nach Albanien abgeschoben worden.

Unsere Meinung: Deutschland kann nicht alle Flüchtlinge dieser Welt aufnehmen. Aber die Menschen, die hier leben, müssen menschenwürdig behandelt werden, selbst wenn eine Abschiebung unvermeidlich ist. Solche Nacht- und Nebelaktionen sind menschenunwürdig, ganz besonders, wenn sie auch Kinder betreffen. Ein solches Vorgehen verbreitet Angst und Schrecken eines Polizeistaats. Sie widersprechen zutiefst der Art und Weise, wie wir in Ostfriesland seit Jahrhunderten mit Flüchtlingen umgehen – nämlich menschlich!

Hintergrund: Die sechsköpfige Familie C. war dreieinhalb Jahre in Jemgum. Der Vater arbeitete als Minijobber in Jemgum. Die Mutter ist psychisch erkrankt und nach Angaben von ehrenamtlichen Helfern suizidgefährdet. Die elfjährige Tochter ging gut integriert zur Schule. Der neunjährige Sohn braucht sonderpädagogische Unterstützung, die er in der Greta-Schoon-Schule in Leer erhielt. Zwei Kleinkinder, zwei und drei Jahre alt, wurden hier geboren.

Die Behörden brauchten dreieinhalb Jahre, um festzustellen, dass der Asylantrag nicht begründet ist. Das wirft viele Fragen auf: Warum dauert das so lange? Und warum muss eine Familie morgens um 4.30 Uhr aus dem Schlaf gerissen und von der Polizei abgeholt werden? Warum haben die Kinder nicht wenigstens die Chance, sich von ihren Freunden und Mitschülern zu verabschieden? Warum haben auch die Erwachsenen nicht wenigstens diesen Moment, in dem sie sich von den ehrenamtlichen Helfern verabschieden konnten, die sie seit über drei Jahren begleitet haben?

Den Polizisten soll hier kein Vorwurf gemacht werden, sie handeln im Auftrag. Dahinter steht eine Innenpolitik, die nicht den Mut hat und die Kraft aufbringt, in jedem einzelnen Fall dem obersten Gebot unseres Grundgesetzes zu folgen: nämlich die Unantastbarkeit der Würde jedes Menschen zu schützen. In zwei Wochen ist Landtagswahl: Es wird mit Interesse zu verfolgen sein, ob und wie unsere Landtagskandidaten einen solchen Fall kommentieren.