Mehr Frauen in den Gemeinderat!

Die Hälfte der Bevölkerung ist weiblich. In der Gemeinde Jemgum leben also etwa 1.750 Mädchen und Frauen. Spiegelt sich das im Gemeinderat? Leider überhaupt nicht! Der Gemeinderat in Jemgum hat 15 Sitze (einschließlich Bürgermeister/in). Aktuell sitzt nur eine einzige Frau im Gemeinderat. Rechnerischer Anteil also: 6,5 Prozent. Damit hinkt Jemgum weit hinter den meisten anderen Kommunen hinterher. In niedersächsischen kommunalen Vertretungen sind im Durchschnitt 27 Prozent Frauen zu finden, immerhin, etwa jeder vierte Sitz. Doch selbst das wird von Spitzenverbänden wie dem Landesfrauenrat Niedersachsen als „nicht mehr zeitgemäß“ angesehen – zurecht, wenn doch die Hälfte der Bevölkerung Frauen sind.

Sind Frauen die besseren Politiker? Um diese Frage geht es nicht. Es geht darum, dass Frauen häufig andere Perspektiven auf politische Fragen haben als Männer. Das gilt sicher für klassische Bereiche wie die Familienpolitik und die Gleichstellungspolitik. Das gilt aber auch für viele andere Themen. Aus anderen Lebenserfahrungen, anderen Herausforderungen, anderen Problemen ergeben sich andere Ideen für die Politik. So einfach ist das. Insofern wäre es gut, wenn mehr Frauen im Gemeinderat vertreten wären.

Doch die etablierten Parteien in Jemgum tun nichts, um daran etwas zu ändern, wie ein Blick auf die Kandidatenlisten der Parteien verrät. Während die CDU immerhin eine Frau ins Rennen schickt, haben SPD und FDP nicht eine einzige Frau aufgestellt.

Peinlich ist das insbesondere für die SPD, die bisher acht Sitze im Gemeinderat inne hatte (nur Männer). In Grundsatzbeschlüssen fordert die Partei immer wieder, dass mehr Frauen in politische Ämter gewählt werden sollten. So kritisierte ein Beschluss des SPD-Bundesparteitags 2015 die ungleiche Repräsentation von Frauen und Männern in den gewählten Vertretungen als „Anachronismus, der zu überwinden ist“.

Vor diesem Hintergrund sind auch die Bemühungen der Landesregierung zu sehen, mit ihrer Kampagne „Politik braucht Frauen“ dazu beizutragen, dass mehr Frauen bei der Kommunalwahl 2016 aufgestellt und gewählt werden. Denn, so sagt es die Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Frau Cornelia Rundt (Sozialdemokratin!): „Eine lebendige Demokratie ist auf die Kompetenzen und die Erfahrungen von Frauen und Männern gleichermaßen angewiesen.“

Bei ihren Genossen in Jemgum ist diese Botschaft nicht angekommen. Es dürfte im niedersächsischen Vergleich rekordverdächtig sein, dass die SPD es hier schafft, auf einer Kandidatenliste mit 12 Personen keine einzige Frau zu platzieren.

Als Wählergruppe Jemgum 21 gehen wir mit einer Kandidatin und einem Kandidaten in die Wahl – mit den Stimmen vieler Wählerinnen und Wähler könnte das ein Beitrag sein, die ungleiche Vertretung der Geschlechter wenigstens ein bisschen zu verändern.


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