Rettet das Ziegeleimuseum!

Eines der für Jemgum 21 wichtigsten Ziele der aktuellen lokalen Politik ist der Erhalt und weitere Ausbau des Ziegeleimuseums in Midlum. Was ist denn da überhaupt los und warum ist uns das Museum wichtig?

Die Blütezeit: Für das Rheiderland war die Ziegelei-Industrie über lange Zeit der wichtigste Wirtschaftszweig (neben der Landwirtschaft). In wenigen anderen Regionen Deutschlands gab es so viele Ziegeleien. Die ostfriesischen Ziegeleien produzierten im Jahr 1814 rund elf Millionen Steine und über zwei Millionen Dachziegel – das Rheiderland hatte einen Mammutanteil daran. Hier waren die Voraussetzungen günstig: der überall anzutreffende Kleiboden war, mit Sand vermischt, der wichtigste Rohstoff. Es gab guten Brennstoff für die Öfen: Torf, vielfach aus dem benachbarten Fehngebiet mit Torfkähnen über die Leda und Ems nach Jemgum und Midlum verschifft. Und über die Ems ließen sich auch die Ziegel auch gut zu den Absatzmärkten transportieren.

Das Ende: Mitte des 20. Jahrhunderts aber wurde die Produktion zu teuer (zuletzt auch wg. Anstieg des Preises für Öl, auf das u.a. in Midlum umgestiegen worden war), es hätte in die alten Ziegeleien investiert werden müssen. Andere Produkte, andere Produktionsweisen, andere Standorte übernahmen den Markt. Die Ziegelei Cramer in Midlum wurde 1972 geschlossen, die Ziegelei in Jemgum produzierte noch ein paar Jahre länger. Die stillgelegten Ziegeleien verfielen vielerorts. In Jemgum kann man eine solche Ruine noch immer „bewundern“.

Der Neuanfang: Ende der 1990er Jahre wurden Gemeinde Jemgum, Landkreis Leer und der neu gegründete Ziegeleiverein aktiv und sanierten das alte Gebäude in Midlum. Mit viel ehrenamtlichem Engagement, aber auch viel Geld wurde der Betrieb restauriert: angefangen vom Dach über den alten Ringofen bis zum Schornstein. Hier entstand nun das Ziegeleimuseum Midlum, einzigartig in der Region und sogar einzigartig in Europa in der Darstellung der Ziegelproduktion auf der Basis von Klei. Dieses Juwel des Rheiderlands war nicht nur bei Touristen als Attraktion beliebt, auch Einheimische erfreuten sich daran, dass hier an eine große Tradition des Rheiderlands erinnert wurde. Immerhin hatten hier Generationen von Arbeitern hart geschuftet („Doar mussen se sük düchtig knojen!“). Durch attraktive Veranstaltungen – zum Beispiel die jährlichen Kunstausstellungen – wurde das Gelände weiter aufgewertet.

Der Streit: Seit einigen Jahren nun streiten sich Landkreis und Gemeinde auf der einen, Eigentümer auf der anderen Seite über angeblich fehlende Bauplanungen, nicht vorhandene Genehmigungen, und natürlich auch über Geld. – „Für den Außenstehenden ist die Problematik nicht durchschaubar“, schreibt der Heimat- und Kulturverein Jemgum auf seiner Webseite zurecht dazu. Und das ist ein Teil des Problems: völlige Intransparenz auf Seiten aller Beteiligter. Es gleicht einem Schildbürgerstreich: Erst investiert die öffentliche Hand viel Geld, dann stellt sie fest, dass Genehmigungen fehlen. Man kann sich nur freuen, dass es diese peinliche Posse es noch nicht auf die Skandalliste des Bundes der Steuerzahler geschafft hat.

Die Leidtragenden: Das Ganze geht nicht nur zu Lasten der Steuerzahler, sondern spielt sich auch auf dem Rücken vieler anderer ab, allen voran den ehrenamtlich Aktiven des Ziegeleivereins, die über viele Jahre unzählbar viele Arbeitsstunden in den Aufbau, Erhalt, Betrieb des Museums gesteckt haben und nun vor einem politischen Scherbenhaufen stehen. Doch die gesamte Gemeinde Jemgum leidet darunter. Eines der wenigen „Juwele“ der Gemeinde – Attraktion für den Tourismus, der wirtschaftlich immer wichtiger wird – droht für immer verloren zu gehen. Und wie soll den Kindern eine der bedeutenden  Traditionen des Rheiderlands vermittelt werden, wenn das Museum erst einmal verfallen ist?

Die Zukunft: Das Ziegeleimuseum darf nicht sterben! Im Gemeinderat werden wir uns als Jemgum 21 mit Nachdruck für einen neuen Anlauf der Verhandlungen einsetzen. Dabei dürfen nicht nur die bislang Beteiligten aufeinander stoßen, sondern es braucht einen unabhängigen Vermittler, um die festgefahrenen Fronten aufzubrechen. Und es braucht mehr Transparenz, mehr Information der Öffentlichkeit, mehr Information der verantwortlichen Gremien – vor allem auch einer intensiven Beteiligung der Ehrenamtlichen, die sich seit vielen Jahren für ihre alte Ziegelei einsetzen.

 


Ein Gedanke zu “Rettet das Ziegeleimuseum!

  1. Ich war schon in dieser Ziegelei und finde es einfach ein Erlebnis durch diese Mauern zu gehen.Man kann sich die Arbeiter richtig vor sich sehen wie sie geschuftet haben. Auch ein super Abiente für Ausstellungen ! Dieses Gemäuer ist wirklich einmalig !

Kommentar verfassen