Nütschanix!

Es gibt Dinge, die kann man nicht ändern. Wenn wir Ostfriesen vor einer solchen Situation stehen, haben wir in unserer schönen plattdeutschen Sprache ein Wort entwickelt, das ursprünglich sogar ein ganzer Satz war: „Nütschanix“ (für die Hochdeutschen: Nützt ja nichts.). Wer plattdeutsch spricht, weiß, dass es dieses Wort in zwei Tonlagen mit verschiedenen Bedeutungen gibt: Da ist das resignierende, achselzuckende „Nütschanix“, im Sinne von: Da lässt sich nun gar nichts machen, wir müssen uns dem Schicksal fügen. Und da ist das kämpferische „Nütschanix!“, das sich einer Situation stellt, die man nicht grundsätzlich ändern, aus der man aber das Beste machen kann.

Es gibt Dinge, die kann ein Gemeinderat nicht ändern. Dazu zählen die großen gesellschaftlichen Entwicklungen, allen voran der sogenannte demographische Wandel, der Wandel in der Bevölkerungsentwicklung. Wir werden alle älter, bleiben länger gesund, bleiben länger mobil (gute Nachrichten!). Die Familien werden kleiner, haben weniger Kinder, sind mobiler, verändern sich. Die Erwartungen an Lebensqualität sind gestiegen. Wem es andernorts besser gefällt (oder nur dort Arbeit findet), der zieht auch aus der Heimat fort. Diese und viele andere Aspekte gehören zum demographischen Wandel.

Ändern kann der Gemeinderat den demographischen Wandel nicht. Aber das Beste für die Gemeinde daraus machen, DAS wäre die Aufgabe des Gemeinderats. Wie können junge Familien in Jemgum gehalten werden? Wie kann die Attraktivität der Gemeinde so verbessert werden, dass Menschen gerne an die Ems ziehen wollen? Wie kann ein Lebensumfeld geschaffen werden, in dem sich älter werdende und alte Menschen wohl fühlen, sich begegnen können, mobil bleiben? Wie können berufstätige Mütter und Väter entlastet und unterstützt werden? Und so weiter und so weiter. Beschäftigt sich der Gemeinderat in Jemgum damit? Ja, einzelne Maßnahmen wurden beschlossen (Familienrabatt für Baugrundstücke zum Beispiel, gut so). Und ja, es gibt den Ansatz, einen Dorfentwicklungsplan zu erstellen (im Verbund mit Bunde und Weener). Gute Sache. Der Bürgermeister ist beteiligt. Von den lokalen Politikern, allen voran der Mehrheitsfraktion SPD, ist hierzu aber nichts zu hören.

Was fehlt, ist eine langfristige Strategie. Was fehlt, ist ein systematischer Diskussions- und Planungsprozess dazu im Gemeinderat. Was nicht erkennbar ist, sind entsprechende Initiativen der alteingesessenen Parteien. Wie stellen sich die Kommunalpolitiker in Jemgum eine Politik vor, die dafür sorgt, dass die Gemeinde Jemgum nicht irgendwann von der Landkarte verschwindet?

Wir von Jemgum 21 haben keine Patentlösung für den Umgang mit dem demographischen Wandel, keinen Zaubertrick, kein Allheilmittel. Wir wollen im Gemeinderat dafür eintreten, dass sich der Rat intensiver mit Zukunftsfragen beschäftigt, überzeugende Strategien entwickelt und diese vorantreibt – vielleicht in ganz kleinen Schritten, aber mit Weitsicht und Plan.

„Nütschanix!“ – für uns ist das ein ur-ostfriesischer Kampfruf! Damit Jemgum auch im 21. Jahrhundert eine lebenswerte Gemeinde bleibt!


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